Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
ein Jahr nach Umsetzung der Reform der VermKV bietet sich die Gelegenheit, Resümee zu ziehen und die Situation aus der Sichtweise unseres Berufsverbandes darzustellen. Da die Reform noch nicht abgeschlossen ist – dies wird von den Entscheidungsträgern immer wieder deutlich vermittelt – haben wir uns mit einigen wichtigen Punkten an die politisch Verantwortlichen gewandt.
Positiv hervorzuheben ist, dass die Einführung der alternierenden Telearbeit die entscheidende Flexibilität für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer technisch geprägten Fachverwaltung gebracht hat. Die neu eingeführten Sammelstellen für den Außendienst ermöglichen eine flexiblere und wirtschaftlichere Arbeitsweise in den neuen, deutlich vergrößerten Amtsbezirken. Sie wirken sich positiv auf die Arbeit der Betroffenen aus. Die flexiblere Gestaltung der Arbeitszeiten wird von einem großen Teil der Bediensteten begrüßt. Die Einrichtung von Servicestellen ist in erster Linie für den Bürger eine positive Entscheidung, darüber hinaus ermöglicht sie der VermKV, Präsenz in der Fläche zu zeigen.
Die Reform hat im Bereich der Verwaltungskultur zu Veränderungen geführt, die nicht nur positiv sind. Das grundsätzliche Problem besteht darin, dass trotz massiver Reduktion des Personalbestands alle Aufgaben erhalten geblieben sind, die unter Berücksichtigung der zusätzlichen Führungsebene, durch noch weniger Personal erledigt werden muss. Durch die bestehenden Leistungsaufträge, die Beibehaltung aller bisherigen Kernaufgaben, die Einhaltung der Vorgaben und Fristen, die alle durch die verbliebene Kernmannschaft vor Ort erledigt werden müssen, besteht ein erheblicher Arbeitsdruck.
Bedingt durch die Reform der VermKV haben sich Veränderungen im Personalbereich ergeben:
– die Personalvertretungen kritisieren seit Jahren, dass kein einheitliches und flexibles Personalentwicklungskonzept für die Beschäftigten und die Beamten der gesamten VermKV existiert, nach der Reform hat sich die Situation für junge Mitarbeiter/innen und ältere Mitarbeiter/innen, die nicht die Vorruhestandregelung in Anspruch nehmen konnten, noch verschärft; ihnen fehlen künftig jegliche berufliche Perspektiven,
– die Personalförderung ist regional sehr unterschiedlich und es fehlen Funktionsstellen, die flexibel – nicht starr gebunden an Abteilungen – vergeben werden können,
– die Situation der Beschäftigten ist mehr als trostlos und es ist festzustellen, dass die Tarifbeschäftigten die eigentlichen Verlierer der Reform der VermKV sind. Während es bei den Neubesetzungen in der Führungsebene Beförderungen und Entwicklungsmöglichkeiten gibt, werden bei den Beschäftigten Höhergruppierungen (tlw. ca. 30 Euro Brutto) als unmöglich im Sinne des Tarifrechts gesehen,
– die Entwicklungsmöglichkeiten für Beschäftigte sind deutlich zu steigern , denn sie kompensieren einen Teil des nicht mehr vorhandenen Personals, indem sie dessen Aufgaben mit übernehmen müssen,
Die derzeit praktizierte Personalentwicklung in der VermKV ist Stückwerk und für viele Mitarbeiter weder nachvollziehbar noch transparent. Das rufen insbesondere ständig neue Vorgaben und Parameter, die an der tatsächlichen Situation vorbei und regional unterschiedlich festgelegt werden, hervor. Hier ist eine grundsätzliche Erörterung aller Lösungsansätze mit dem Ist-Stand nach der Reform notwendig, ggf. unter Hinzuziehung einer externen Beratung.
Der Anteil der Führungspositionen liegt nach der Reform höher denn je. Es ist festzustellen, dass jetzt weniger Personal von mehr Führungskräften betreut wird. Die neu eingeführte Führungsebene der Fachgruppenleiter ist für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ansprechpartner in fachlichen Fragen sowie bei der Arbeitsorganisation. Die Leitungsrunde bei den VermKÄ (BHL, AL, StabsL) tritt für die Mitarbeiter als Ansprechpartner eher in den Hintergrund. Der Informationsfluss aus der Leitungsrunde zu den Fachgruppenleitern und den Mitarbeitern ist schlecht. Die Arbeitsauslastung auf der Abteilungsleiterebene und die Funktion der Stabsstellenleitung sind zu hinterfragen.
Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind der Ansicht, dass die derzeitige Situation in den Ämtern nicht befriedigend ist. In vielen Gesprächen wurde festgestellt, dass Führung, Steuerung und Kontrolle übermäßig in den Arbeitsalltag einfließen. Verstärkt wird dieses Empfinden noch dadurch, dass der mangelnde Informationsfluss zu Abstimmungsproblemen führt, die speziell in den Fachgruppen zu Reibungsverlusten führen.
Die interne Zusammensetzung der VermKV aus Behördenleitung und Führung mit Controlling, Steuerung, Qualitätssicherung usw. und den Bearbeitern passt nicht zusammen. Die Wahrnehmung vieler Mitarbeiter lässt sich zusammenfassen mit: „Immer mehr Steuermänner und immer weniger Ruderer“. Nach dem einjährigen realen Betrieb der derzeitigen Arbeitsorganisation ist es Zeit, diese zu überdenken. Es stellt sich also die Frage, ob unsere aktuelle Organisationsstruktur ein zukunftsfähiges Modell für die VermKV ist.
Im Bereich Haushalt und Stellenpläne hat unser Berufsverband sehr deutlich darauf hingewiesen, dass die VermKV mit dem Abbau von ca. 300 Stellen und der Schließung von 14 VermKÄ bereits einen sehr großen Beitrag zur Haushaltskonsolidierung geleistet hat. Weitere Einsparungen sind unserer Ansicht nach, für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der VermKV nicht mehr zumutbar! Evtl. vorgesehene oder geplante Einsparmöglichkeiten sind nur in den Bereichen Personalausgaben und Gebäudebewirtschaftung realisierbar. Die Entscheidungsträger müssen zu ihrer (politischen) Verantwortung stehen und gegenüber den Mitarbeitern deutlich zum Ausdruck bringen, in welchem Rahmen und in welchem Zeitraum derartige Sparmaßnahmen umgesetzt werden sollen.
Es ist dringend zu klären, welche Aufgaben die VermKV künftig wahrnehmen sol l und welcher Personalbestand dafür erforderlich ist. Dabei ist zu berücksichtigen, welchen Stellenwert die VermKV und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter künftig haben sollen. Die VermKV ist eine Fachverwaltung, d.h. fachliches Wissen und Können sind entscheidende Leistungsfaktoren. Um diese zu erhalten, sind berufliche Förderung, Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten von sehr großer Bedeutung und sollten nicht durch eine starre, von oben diktierte Aufbauorganisation und „Förderung“ ausgehebelt werden.
Dem noch vorhandenen Fachpersonal müssen nachvollziehbare und erkennbare berufliche Perspektiven sowohl in der Aufgabenwahrnehmung und deren Entwicklung, als auch in der Personalentwicklung geboten werden.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist uns als freier und unabhängiger Berufsverband wichtig, in dem derzeitigen Stadium des Reformprozesses der VermKV auf einige Ansatzpunkte – weniger Personal bei gleichen Aufgaben, mehr Führung trotz Personalreduzierung, klar erkennbare berufliche Entwicklungsmöglichkeiten für die jüngeren und älteren Kollegen sowohl bei den Beschäftigten als auch bei den Beamten – hinzuweisen. Die Wahrnehmung im Bereich der Führungsverantwortung der Dienststellen ist leider eine andere als bei vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der VermKV.
Mit herzlichen Grüßen im Namen des Vorstandes…
Hans-Peter Ehrhart